Dienstag, 29. November 2005
Die schizophrene Zunge
Sie weisen mich ab und hassen gerne
Ist Meiner wilden Zunge Schuld
Die unaufhaltsam weiterredet
Ihr Sucht nach frischer Luft

Eine Zwillingsschwester hat sie
Die alles Lob bekommt
Und schon entsteht noch eine Einsicht
Ihre Wange wird fast rot

So lebt hier beides miteinander
Die eine baut, dann wird’s zerstört
Und wenn die böse sich verwickelt
Schafft die andere das Bußgeschenk

Nur wollen sie mich nicht verstehen
Der ich dazwischen quäle
Dass dies und jenes Schwesterchen
Kaum zu trennen wäre

Denn beides ist, wie unbarmherzig
Nur eine und dieselbe
Die mal verflucht und dann gesegnet
Vom Innersten entsteht.

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Samstag, 26. November 2005
Des Schlafes beraubt
Des Schlafes beraubt
Bin ich wortlos und schwach
Ich möchte gern weinen
Und weiß nicht, worüber
Irgendetwas zutiefst betrauern
Was mir verloren ist, ohne
Mir je richtig gehört zu haben

Eine aufgegebene Hoffnung, vielleicht
Einen Menschen
Auf den ich hab verzichten müssen
Den Blick auf morgen, den ich kaum noch wage
Oder das Morgen selbst, das mir nur wenig verspricht
Und mich
Wie ich mich bisher gekannt habe

Ich möchte anders sein, anders werden!
Besser, begabter, schöner
Ich möchte geliebt werden
Von vielen, von allen
Von dir
Ich möchte angerufen
Eingeladen werden
Ich möchte
Ich möchte nicht mehr möchten!

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Samstag, 19. November 2005
Die Pathologie des Scheiterns
Mit geschlossenen Augen spüre ich
Mein Herz sich zusammenkauern
Mein Hals langsam quälen
Meine Schultern sich vorm Bevorstehenden fürchten

Alles habe ich, wiederholt
Auf den Kampf gesetzt
Und den Krieg dabei verloren

Auf dem Felde der Wahrheit bin ich gefallen
Doch weiß ich nicht, wozu

Morgen früh muss ich mich erneut erfinden.

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